Selbstfürsorge für Angehörige: Ein unverzichtbarer Schritt nach einem Schlaganfall
Nach einem Schlaganfall gerät auch das Leben der Angehörigen oft aus den Fugen – und genau hier beginnt der wichtigste Kampf. Du bist nicht nur Helfer, sondern auch Mensch mit eigenen Bedürfnissen, die jetzt oft zu kurz kommen. Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern die Grundlage, damit du langfristig stark bleibst und wirklich unterstützen kannst. Im Folgenden zeige ich dir, warum deine Gesundheit und dein Wohlbefinden genauso zählen wie die Genesung deines Angehörigen. Weitere Informationen findest du hier.
Warum Selbstfürsorge Priorität hat

Es ist wichtig, sich um sich selbst zu kümmern, um langfristig für andere da sein zu können. Angehörige von Schlaganfallpatienten erleben oft eine Achterbahnfahrt der Emotionen. Deine Gesundheit und dein Wohlbefinden sind entscheidend für die Heilung deines Angehörigen.
Bedeutung der Selbstfürsorge für Angehörige
Selbstfürsorge bedeutet, sich bewusst Zeit für sich selbst zu nehmen. Es kann bedeuten, spazieren zu gehen, ein Buch zu lesen oder einfach tief durchzuatmen. Diese kleinen Pausen helfen, Stress abzubauen. Stell dir vor, du bist ein Akku. Ohne Aufladen bist du irgendwann leer. Deine Energie ist nicht unerschöpflich und muss sich regelmäßig regenerieren.
Die Herausforderung besteht darin, sich diese Zeiten zu erlauben. Viele Angehörige fühlen sich schuldig, wenn sie sich um sich selbst kümmern. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Indem du dir diese Momente erlaubst, stärkst du deine Fähigkeit, für deinen geliebten Menschen da zu sein. Du wirst sehen, dass du mit mehr Geduld und Energie zurückkehrst.
Ich erzähle kurz von meiner Situation zuhause, die ich auch ausführlich im Buch beschreibe. Nach meinem Schlaganfall fie sofort die komplette Last auf meine Frau: Hausbau, Dld verdienen, Kind – einfach alles und dabei hat sich ab dem Tag nur noch alles um mich gedreht. Den Effekt auf sie und damit uns habe ich erst viel später verstanden – zu spät. Als Betroffener musst du deinen Angehörigen genauso viel Luft zum Atmen und Leben geben, wie du es für dich brauchst. Und als Angehörige:r musst du es einfordern. Niemand kann diese Last alleine Schultern und dauerhaft tragen. Das ist unmöglich. Und wenn erst einmal alle ausfallen ist niemand geholfen. Lieber dauerhaft ein bisschen als eine Zeit lang bis zum „Umkippen“.
Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden
Ohne Selbstfürsorge kann die Belastung schnell zu gesundheitlichen Problemen führen. Stress, Schlafmangel und emotionale Erschöpfung sind häufige Folgen. Diese können wiederum die Fähigkeit beeinträchtigen, effektiv zu helfen. Deine körperliche und geistige Gesundheit sind eng miteinander verbunden. Wenn du dich um deinen Körper kümmerst, profitierst du auch mental.
Ein gesunder Lebensstil wirkt wie ein Schutzschild gegen die Herausforderungen des Alltags. Regelmäßige Bewegung ist ein einfacher Weg, um Stress zu reduzieren und die Stimmung zu heben. Schon 30 Minuten am Tag können einen großen Unterschied machen. Eine ausgewogene Ernährung spielt ebenso eine wichtige Rolle. Sie liefert die notwendige Energie, um den Anforderungen des Tages gerecht zu werden. Mehr Informationen dazu findest du hier.
Praktische Wege zur Selbstfürsorge

Es gibt viele Wege, wie du Selbstfürsorge in deinen Alltag integrieren kannst. Es geht darum, kleine Routinen zu schaffen, die dir gut tun. Diese können dir helfen, die Balance zu halten.
Zeit für sich selbst finden
Zeit für sich selbst zu finden, ist oft eine Frage der Prioritäten. Plane deine Tage so, dass du bewusst freie Momente einbaust. Zum Beispiel kann ein kurzer Spaziergang in der Mittagspause Wunder wirken. Oder du startest den Tag mit einer Tasse Tee und ein paar Minuten der Stille. Diese Momente sind wie kleine Inseln im Alltag, die dir neue Kraft geben.
Es kann hilfreich sein, eine Liste mit Aktivitäten zu erstellen, die dir Freude bereiten. Vielleicht hast du ein Hobby, das du wieder aufleben lassen möchtest? Oder es gibt einen Kurs, den du schon immer machen wolltest. Diese kleinen Auszeiten helfen, den Kopf frei zu bekommen und neue Energie zu tanken. Für mich hat meditieren besonders gut funktioniert – einfach mal 20-30 Minuten komplett abtauchen. Ich stelle mir vor, dass das auch für Angehörige Wunder tun kann. Der von mir im Buch genannte Zen Master Thich Nhat Hanh und seine Tradition Plum Village hat mir durch viele Tiefen geholfen.
Unterstützung durch Gemeinschaft
Die Unterstützung durch andere ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Suche nach lokalen oder Online-Gruppen, die ähnliche Erfahrungen teilen. Der Austausch mit anderen Angehörigen kann dir helfen, dich verstanden zu fühlen. Hierbei geht es nicht nur um das Teilen von Problemen, sondern auch um das Feiern von kleinen Erfolgen. Gemeinschaft und Unterstützung sind nicht nur für Brtroffene wichtig, sondern für Angehörige gleichermaßen. Jemand , der so eine Situation nicht erlebt hat, kann unmöglich verstehen was du durchmachst.
Gemeinschaft kann auch in Form von professioneller Unterstützung kommen. Überlege, ob du Hilfe bei der Betreuung deines Angehörigen in Anspruch nehmen möchtest. Dies gibt dir Raum, um dich zu erholen und aufzuladen.Während es keinen Spaß macht sich mit der Pflegeversicherunfg auseinanderzusetzen und natürlich niemand sagt was es für Möglichkeiten der Unterstützung gibt, es gibt Möglichkeiten. Mittlerweile bekommt man bei Pflegegrad 3 jährlich ca. 3.500 € um pflegenden Menschen eine Auszeit zu gönnen und eine Ersatzpflegeperson zu bezahlen. Leider muss man aktiv nach diesen Unterstützungen fragen. In meinen ersten 3 Jahren nach dem Schlaganfall, habe ich diese Möglichkeit z.B. nicht in Anspruch genommen, weil ich es einfach nicht wusste. Einefach bei der Pflegeversicherung (Krankasse) nach Verhinderungs- oder Ersatzpflegeleistungen fragen. Das Leben ist schwer genug für euch. Nehmt in Anspruch was euch zusteht.
Langfristige Vorteile der Selbstfürsorge

Selbstfürsorge ist nicht nur ein kurzfristiger Luxus, sondern eine langfristige Investition in deine und die Gesundheit deines Angehörigen.
Bessere Unterstützung für Schlaganfallpatienten
Wenn du dich gut um dich selbst kümmerst, kannst du viel effektiver helfen. Du hast mehr Geduld, Energie und Verständnis. Diese Faktoren sind entscheidend, um in schwierigen Zeiten positiv zu bleiben. Wenn du stark und ausgeglichen bist, kannst du die Herausforderungen des Pflegealltags besser meistern. Das gibt auch deinem Angehörigen ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität.
Förderung der eigenen Genesung und Resilienz
Selbstfürsorge stärkt nicht nur deine körperliche, sondern auch deine geistige Widerstandsfähigkeit. Resilienz, also die Fähigkeit, sich von Rückschlägen zu erholen, wird durch regelmäßige Selbstfürsorge gefördert. Und Rückschläge wird es zweifellos immer wieder in der Genesungsphase geben. Es gibt dir die Kraft, auch in schwierigen Zeiten nicht aufzugeben. Je mehr du für dich selbst sorgst, desto besser bist du auf unvorhersehbare Herausforderungen vorbereitet.
Selbstfürsorge ist kein Luxus. Es ist ein Muss, um langfristig für deinen lieben Menschen da zu sein. Denke daran, dass die Heilung nicht nur den Körper, sondern auch die Seele betrifft.
